Der Burschenverein Lindenburschen kümmert sich um den ­­Erhalt alter bayrischer Traditionen und bietet Zusammenhalt in der ­Gruppe. Um für diese Gruppe eine geeignetes Brandbook zu ­gestalten, muss man erst die Identität dieser Gruppe verstehen. Dazu habe ich Zeit mit den Lindenburschen verbracht und dabei die Gebräuche, Rituale und die Gruppe genauer dokumentiert und kennen gelernt. In dieser Feldstudie war ich über eine Zeitspanne von etwa vier Monaten immer wieder in der Burschenhütte oder bei Veranstaltungen zu Besuch.
Bei den Lindenburschen kann man aus einem reichen Pool an Ritualen, Traditionen,  Orten und identitätsstiftenden ­Gegen­ständen schöpfen.
Beispielsweise tragen die Burschen nicht nur zu besonderen Veranstaltungen ihre Tracht. Somit ist sie nach außen und auch nach innen ein Symbol für Zusammenhalt in der Gruppe. Dabei dient ihre Burschenhütte als Treffpunkt, Ort zum Feiern und auch Zuhause.
Im Laufe der Zeit fiel mir auf, dass es zwei unterschiedliche Einflüsse auf die letztendliche Gestalt des Brandbooks gab: Zum einen die Sichtweise der Menschen auf den Burschenverein von außen. Damit sind vorallem die Bewohner aus Neubiberg gemeint, für die der Verein unter anderem den Erhalt bayrischer Traditionen und das Organisieren von Festen verkörpert — und zum anderen interen Blick auf den Verein, also das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe an sich.
Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, nicht ein sondern zwei Brandbooks anzufertigen. So bekommen die beiden Kernthemen der Lindenburschen jeweils ein eigenes Buch. Diese sind auch nach den Kernthemen benannt: Tradition und Gemeinschaft. Dafür bekommen beide Bücher einen speziellen Einband, der sich an der Tracht der Burschen aus Neubiberg orientiert: schwarzes Leder mit Hirschknöpfen und grün-roter Loden mit Silberknöpfen. Die beiden Bücher sind in ein­em gemeinsamen Schuber vereint, der aus Maibaumholz ­gefertigt und wie der Maibaum in Neubiberg  traditionell bemalt ist. Der Schuber ist aber auch ­­un­bemalt erhältlich ist. Für jemanden, dem diese Lebensweise völlig unbekannt ist, ist es wichtig, in die Atmosphäre einzutauchen, um den Charme dieser Gruppe zu verstehen. Deshalb wird hierbei auf etwas Handfestes gesetzt, indem besondere und bedeutungsschwangere Materialien verwendet werden.
Das Buch „Tradition“ hält sich an klare Regeln: Jedes Kapitel beginnt mit einer Aufmacherseite mit formatfüllendem Foto und Überschrift. Darauf folgt das eigentliche Kapitel, bei dem sich jede Seite aus einem kleineren Foto, einer Unterüberschrift und einem Textblock zusammensetzt. Alle Inhalte halten sich dabei an ein striktes Raster. Dieser Teil des Brandbooks richtet sich mehr nach außen, denn es beschreibt die repräsentative Aufgabe der Lindenburschen und deren Engagement für die Dorfgemeinschaft. Da hier unter anderem auch die wichtigsten Traditionen erklärt werden, ist es auf Hochdeutsch geschrieben. Jedes Buch hat eine besondere letzte Seite. Das Buch "Tradition" endet mit einem Briefumschlag, indem sich Erde aus Neubiberg befindet. So erhält man dazu mit diesem Buch immer ein Stück "Heimat".
Das Buch „Gemeinschaft“ lehnt sich an das Wachbuch der Linden­burschen an. Dieses Buch liegt während der Wachhüttenzeit aus und jeder der Burschen oder Gäste kann dort hineinkritzeln, schreiben oder zeichnen. Da es in der Gemeinschaft der Burschen oft lockerer und manchmal auch etwas rauer wird, ist dieser Teil des Brandbooks an dieses Temp­erament angepasst. So ist ­der ungezwungene bayrische Text noch einmal mit handgeschrie­ben­en Kommentaren versehen und die Fotos durch Zeichnungen und Kritzeleien ergänzt. Insgesamt geht es hier mehr um das Gefühl der Gemeinschaft an sich und es werden die identitätsstiftende Elemente beschrieben, die sich mehr auf die Gruppe beziehen. Beispielsweise der Sprechchor, der auch als Burschenspruch bekannt ist, oder auch Einzelheiten zur Einweihung einer Lederhose werden hier erklärt. 
Hin und wieder kommt es vor, dass nach einigen Bieren spontan entschlossen wird, dem Verein beizutreten. Da dann jedoch manchmal kein Mitgliedsantrag zur Hand ist, soll es schon passiert sein, dass auf einem Bierdeckel unterzeichnet wurde. Diese Anekdote wird mit dem Abschluss des Buchs "Gemeinschaft" übernommen. Wenn man den Bierdeckel abzieht, findet man darunter die Aufforderung ihn in den Briefkasten der Burschenhütte einzuwerfen.
Seitenplan: Buch „Tradition“:
Seitenplan: Buch „Gemeinschaft“:
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